24. Juni 2016

Öko-Modellregion als positiver Ansatz

 

„Die Öko-Modellregion ist ein positiver Ansatz für eine nachhaltige Regionalentwicklung.“ Das bestätigte der Landesvorsitzende des Bund Naturschutzes (BN),  Professor Dr. Hubert Weiger beim  Diskussionsabend des BN mit der Steinwald-Allianz zum Thema „Chancen und Erfolge der Öko-Modellregion Steinwald-Allianz.“

 

Dem Diskussionsabend, der fast zeitgleich mit dem Europameisterschafts-Fußballspiels Deutschland-Nordirland stattfand, ging bereits am Nachmittag eine Rundfahrt des Bund Naturschutzes mit Vertretern der Steinwald-Allianz durch die Öko-Modellregion voraus. Etwas über 30 Teilnehmer konnte am Abend Moderator Richard Mergner, BN-Landesbeauftragter, im kleinen Saal der neuen Stadthalle begrüßen.

 

Etwas gedulden mussten sich die Zuhörer auf die Rede von Landesvorsitzenden Professor Dr. Hubert Weiger, der einen Zug von Berlin kommend verpasst hat und so etwas später erst eintraf. Dafür stieg der Landesvorsitzende gleich in die Vollen und gab klare Ziele und eine positive Richtung für den Ökolandbau vor.

 

Als Beispiel für die Ökologisierung der Landwirtschaft nannte er das Nachbarland Österreich. „Die Verknüpfung von Regionalität und Vermarktung ist dort bestens gelungen“, stellte Weiger fest. „Osterreich ist ein Bio-Land mit Qualitätsprodukten und ein Vorbild für eigenständige Regionalentwicklung.“

 

Aber auch in Deutschland tue sich nach seinen Worten in Sachen Öko-Landbau etwas. „Waren es im Jahr 2000 rund 3300 Öko-Landwirte, stieg deren Zahl in 2010 auf über 6400 und im vergangenen Jahr auf exakt 7373“, so der Landesvorsitzende. Er stellte fest, dass bei den Landwirten eine Grundbereitschaft zur Bio-Umstellung vorhanden sei. „Doch es dauert, weil viele Faktoren wie beispielsweise die Familie beim Landwirt mit einfließen.“

 

„Die Öko-Modellregion Steinwald-Allianz hat einen positiven Ansatz gefunden“, bestätigte Weiger. „Die Beteiligten zeigten Engagement und Kreativität.“ Vor allem freute es ihn, dass sich die Kommunen durch den kommunalen Zweckverband Steinwald-Allianz hier mit einbringen. „Vorbildlich, wie hier gearbeitet wird.“

 

Seiner Meinung ist für den Ökolandbau nicht nur die Bereitschaft der Landwirte, sondern auch die Nachfrage beim Verbraucher wichtig. „Wir müssen das gesellschaftliche Bewusstsein schärfen und eine bessere Versorgung mit heimischen Öko-Produkten gewährleisten.“ Zudem müsse die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt werden. „Vor allem in Kindergärten und Schulen müssen wir die Grundwerte wieder ins Gedächtnis rufen.“

 

Wie der Landesvorsitzende weiter ausführte, setze sich der Bund Naturschutz auch stark im Ökopakt zum ökologischen Landbau ein. „Dabei ist uns die Biodiversität im Ökolandbau besonders wichtig“, stellte er fest. „Uns macht beispielsweise der Popularitätszusammenbruch der Allerweltarten in der offenen Feldflur sorgen“, so Weiger. „Dieser ist um bis zu 40 Prozent zurückgegangen.“ Erschreckend sei für ihn, dass mittlerweile in der Stadt mehr Allerweltarten heimisch sind als auf den Feldern.

 

In einem weiteren Punkt sprach Professor Dr. Weiger die naturnahe Ernährung mit Bio-Lebensmitteln an. „Ökolandbau sichert die Welternährung“, bekräftigte er. Bei der artgerechten Tierhaltung sei die regionale Herkunft wichtig. Für eine Kennzeichnung dieser Bio-Lebensmittel seien nach seinen Worten aber noch einige Hausaufgaben zu machen. „Es müssen die politischen Rahmenbedingungen verbessert werden und mehr Transparenz in die Sache kommen.“

 

Kein gutes Wort hatte Weiger an diesem Abend für die EU. Gerade sie erschwere die Arbeit des Öko-Landwirts. „Auf der anderen Seite geht sie leichtsinnig mit Glyphosat um.“ Nach dem Landesvorsitzenden müsse die „neo-liberale Kommission wieder zur Besinnung kommen.“

 

Um den Ökolandbau voranzubringen, sieht Weiger auch für Kommunen Handlungsmöglichkeiten. So könnten Gemeinden und Städte bei der Neuverpachtung von Gemeindeflächen Bio-Landwirte bevorzugt bedienen. Auch in der Schulbildung und in der Motivation von Verbrauchern könnten sie ihren Beitrag leisten.

 

 „Das tägliche Einkaufsverhalten des Verbrauchers entscheidet über Bio oder normal“, stellte Weiger fest. Deshalb sei eine Bewusstseinsbildung überaus wichtig. Die Frage des „es sich leisten können“ beantwortete er sich selbst. „Geringverdiener können sich auch Bio ernähren.“ Dies sei relativ einfach. „Weniger Fleisch essen“, gab Weiger als Tipp. „Das ist gut für den Bauern, für die Umwelt und für die eigene Gesundheit.“

 

Bürgermeister Hans Donko, der der erste Vorsitzende des kommunalen Zweckverbandes Steinwald-Allianz ist, ging auf den Weg zur Öko-Modellregion ein. „Mit unserem Konzept waren wir bei der Bewerbung vor gut zwei Jahren gut aufgestellt.“ Mittlerweile sei die Öko-Modellregion evaluiert und habe eine Verlängerung um drei Jahre bekommen. Eng werde mit dem Naturpark Steinwald und der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILEK) zusammengearbeitet.

 

Der Geschäftsführer der Steinwald-Allianz, Martin Schmid, machte klar, dass ein Netzwerk Voraussetzung sei, die Öko-Modellregion voranzubringen und bei den Verbrauchern bekannter zu machen. Er ging auf die Infrastruktur, die Verarbeitung und Vermarktung von Bio-Rindfleisch ein. „Ein Produkt-Highlight ist unser Bio-Burger, der bisher 6000 Mal produziert wurde und demnächst auch in Lebensmittelmärkten der Region zu finden ist.“

 

„Nicht mit erhobenem Zeigefinger auf Bio hinweisen.“ Dies sei nach Schmid der falsche Weg zur Bewusstseinsbildung. Vielmehr müsse aufgeklärt werden. „Wir bieten deshalb auch Bio-Koch- und –Backkurse an. Des Weiteren haben wir einen Einkaufsführer für 15 Anlaufstellen im Steinwald-Allianz-Gebiet aufgelegt, wo es Bio-Erzeugnisse gibt.“

 

Das Fazit zum Stand der Öko-Modellregion nach zwei Jahr fiel von Schmid kurz und bündig aus. „Wir sind angekommen und werden geschätzt.“ Im Ausblick auf die kommenden Jahre nannte er unter anderem die Etablierung eines mobilen Bauernmarktes.

 

Podiumsdiskussion

Die Frage von Moderator Richard Mergner, wie es mit der Öko-Modellregion nach 2019 weitergehe, stellte er an Landtagsabgeordneten Tobias Reiß. „Die Wiege steht auf der Grenzmühle und die Modellregion ist es wert, weiter unterstützt zu werden.“ Reiß konnte sich aber nicht dazu äußern, wie es nach 2019 aussehe. „Die Pflanze ist jetzt noch am Wachsen und Gedeihen und sie darf 2019 nicht zertreten werden.“

 

Doris Eckl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Tirschenreuth stellte fest, dass der Weg hin zur Öko-Landwirtschaft gehe. „Der Ökolandbau muss aber auch im Herzen des Landwirts sein“, betonte sie. „Für eine Umstellung brauchen sie Zeit, denn es betrifft ihre Umgebung und Familie.“

 

Nicht zuletzt bat Mergner Freiherrn Eberhard von Gemmingen-Hornberg auf das Podium. Er hat mittlerweile 150 Hektar auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. „Für Bio habe ich eine persönliche Motivation“, so Gemmingen-Hornberg. „Ich bin ein leidenschaftlicher Naturschützer, Ornithologe und Jäger.“ Schon immer möchte er seinen Grundbesitz nachhaltig führen. „Dadurch ist der Öko-Gedanke gewachsen.“

 

„Bio ja, aber nur, wenn der Betrieb damit wirtschaftlich geführt werden kann“, stellte der Freiherr fest. „Im ersten Jahr sind wir zwar auf die Nase gefallen, aber wir lernen dazu.“ Wichtig sei die Vermarktungskette. Zudem müsse das Wertebewusstsein gefördert werden. „Aus der Region für die Region.“

 

In der abschließenden Diskussionsrunde ging es vor allem um die Bildung, wie der Öko-Gedanke weitergetragen werden könne, sowie über die Vermarktung, besonders von Bio-Fleisch.  

 

Fotos und Text: Jochen Neumann

Öko-Modellregion Steinwald

 

 

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